Mit Seldom Sober nach Irland

 

erschienen in: Saarbrücker Zeitung (Lokales) vom 25. März 2002

 

Folk-Band begeisterte Publikum im rappelvollen Bahnhof

Von BEATRIX HOFFMANN

Püttlingen. Bahnhöfe sind Orte der Sehnsucht und des Fernwehs. Im Püttlinger umfunktionierten Kulturbahnhof geht man musikalisch auf Reisen. Mit Pipit Farlouse und frischem Primeur reiste man zur Saisoneröffnung nach Frankreich, mit Michio Woirgardt und Flamenco ging es zwischendrin nach Spanien, und jetzt schipperte das Publikum unter Leitung von Seldom Sober via Irland.

Die saarländische Folk-Band trägt ihre Instrumente an bunten Riemen über den Schultern. Wie die glorreichen Sieben kommen sie daher, stehen nebeneinander im Bistro, schauen aus wie Musikanten auf Wanderschaft.

Seldom Sober, selten nüchtern, genau wie der Bandname heißt es auch in der Ballade über die Stadt Carrickfurgus. Bier, Wein, Whisky und Weib sind das Lebenselexier der Iren. Die Insulaner sind Träumer, und sie sind ziemlich treulos. Zumindest in ihren Liedern. Erst ab ins Heu, und dann die Fliege machen, so sieht die Männerwelt in Irland aus, und die Ladies laufen schnurstracks den ach so fröhlichen Gipsies hinterher.

Schwungvolle Tänze sowie Traditionals präsentiert die Gruppe. Das Konzert ist komplett ausverkauft. Das Publikum bevölkert den Bahnhof über zwei Räume hin, vom Tisch im Bühnensaal bis zum Stehplatz an der Theke.

Zwischen die irische Folklore haben sich auch ein paar schottische Stücke gemischt. Vor jedem Lied erzählen die Barden die Lied-Geschichte. Die vom Schuhmacher aus Cork, der sich einen schönen Lenz machte und immer erst um Elf den Laden aufschloss, oder vom Fischer, der den Himmel mit schäumenden Guinness-Bäumen imaginiert. Gefühlvolle Liebeslieder und handfeste Trinklieder gibt es. Hauptthema der Iren ist das Auswandern und die Sehnsucht nach dem Zuhause. So nebenbei erfährt das Publikum auch viel Wissenswertes über Land und Leute. Beispielsweise, dass eine Hungersnot – dreimal fiel die Kartoffelernte aus – eine Million Opfer forderte. Kein Wunder also, dass es die Iren immer wieder übers Meer bis ins ferne Amerika oder Australien trieb. &routv;Die nächste musikalische Reise führt nach Berlin zu Kurt Tucholsky. Mit dabei Fritz Maldener am Klavier und Sängerin Moschgan Ebrahimi. Abfahrt: Samstag, 20. April, 20 Uhr. Karten unter Tel.(06898) 63756. Das Kulturbüro im Bahnhof ist Montag bis Freitag, von neun bis elf Uhr geöffnet. Das Bistro macht um 18.30 Uhr auf (Montag Ruhetag).