Zum Abhaken viel zu schade

 

erschienen in: Saarbrücker Zeitung (Lokales) vom 23. August 2003

 

Irische Klänge auf dem Stummplatz. Musik, die du magst. Nordische Instrumente – hörbar bis an den Schreibtisch. Gar nicht weit weg! Außerdem ist Feierabend. Also hin! Einfach abschalten vom Tagesstress! Mitten in der Hektik der City. Die Augen schließen. Und zuhören! Es ist Sommer in der Stadt – Neunkircher City-Sommer. Jeden Donnerstag! Am Donnerstag war Irish-Summer angesagt mit der Gruppe Seldom Sober. Auf der Bühne im rot-weiß gestreiften Zelt mit dem Rücken zur Lindenallee. Und gut gefüllten Tischen der Gastronomen in der Nachbarschaft. Es ist nicht mehr ganz so heiß, wie an den Donnerstagen vorher. Die Menschen sind wieder da. Vor der Bühne plätschert der Brunnen auf dem Stummplatz. Dazu Melodien der Gitarren, Violinen, Blasinstrumente, der typische Gesang – der unverkennbare Sound – ein Stück Irland mitten in Neunkirchen. Seldom Sober macht es möglich.

,,Schade nur, dass man es von Seiten der Stadt versäumt hat, wenigstens ein paar Bänke für unsere Zuhörer aufzustellen“, bemerkt die Sängerin nur so nebenbei. Viele der Fans haben inzwischen auf dem Rand des Brunnens einen Platz gefunden. Viele Füße wippen im Rhythmus der Melodien mit. ,,Rosie“ wird besungen und auch ein musikalischer Exkurs nach Transsilvanien unternommen. Zwei Mädchen mühen sich nach Kräften, irische Folklore auf dem harten Pflaster des Stummplatzes auch tänzerisch umzusetzen. Die Familie ganz vorne an der Bühne mit den vier kleinen Kindern, genießt die Darbietungen sichtlich. Auch dem Kleinsten scheint der Takt schon in Fleisch und Blut zu sitzen. Auch später noch, als der Vater ihn auf die Schulter nimmt. Doch die ausgelassene Stimmung, wie sie die Darbietungen der Gruppe im rot-weiß gestreiften Zelt verdient hätten, mag leider nicht aufkommen. Auch bei den schmissigsten Melodien nicht. Schon zuviel Routine beim Neunkircher City-Sommer? Irish Folk mit Seldom Sober – zum Abhaken einfach viel zu schade! Wie auch alle anderen Musikrichtungen, die an den letzten Donnerstagen auf dem Stummplatz von den verschiedensten Ensembles präsentiert – und mehr oder weniger stiefmütterlich beachtet wurden. Nichts destotrotz hat die Reihe nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen! Zu deren Verbesserung können in der Tat durchaus auch schon mal einige Bänke oder Stühle beitragen, die ja im Laufe der Woche im rot-weiß gestreiften Bühnen-Zelt verstaut werden können.

Jeder für die Kultur vorgesehene Stuhl der Stadt wird jedoch in der nächsten Woche in der Gebläsehalle des Alten Hüttenareals gebraucht. Denn dort wird sechs Mal in Folge eine Erfolgsstory ablaufen, um die Neunkirchen von allen Städten und Gemeinden im Land beneidet werden wird. An diesem Samstag um 20.30 Uhr ist Premiere für das Musical-Projekt ,,The Casting“. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Der künstlerische Leiter Martin Leutgeb und seine Mannschaft haben hier zusammen mit über 200 Schauspiel-Amateuren, die sich in den letzten Wochen bis zur Erschöpfung für die Realisierung der gemeinsamen Idee eingesetzt haben, die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die schwungvolle Geschichte um den Neunkircher Superstar, der am Ende gar keiner sein will, mit Sicherheit als eines der absoluten kulturellen Highlights in die Geschichte der Stadt Neunkirchen eingehen wird.