Irisch geht immer

 

erschienen in: Saarbrücker Zeitung (Lokales) vom 17. März 2003, Verfasser: WALTER FAAS

 

Zwei begeisternde Folk-Auftritte im Köllertal

Von WALTER FAAS

Püttlingen/Riegelsberg. Der Kulturbahnhof Püttlingen restlos ausverkauft, Jochems Kneipe in Riegelsberg rappelvoll: Irisch geht immer. Die Einsamkeit der Highlands, rauschende Feste, Kampfgetümmel, stolze Stammesväter, starke Frauen, bemerkenswerte Saufgelage – was Ihr wollt und noch vieles mehr besangen hüben wie drüben Schwergewichte der deutschen Irish-Folk-Szene. Am Bahnhof Püttlingen hielt ein Intercity namens Shamrock (Irischer Weißklee). Im Gepäck führten Hilde und Jupp Fuhs, so heißt das Shamrock-Duo, Instrumente wie Harfe, Mandola, Akkordeon, Concertina, Flöte, Bodhran (Handtrommel), Streichpsalter, Dulcimer (Griffbrettzither), Tin Whistle (Messingflöte), Löffel oder Knochen. Auf denen Fuhs & Fuhs traumwandlerisch-virtuos, zwischen fetzigen Folksongs, sehnsuchtsvollen Balladen und melancholischen Liebesliedern den ehrwürdigen preußischen Durchgangsbahnhof in eine irische Klanglandschaft verwandelten. Das Zusammenwirken sonst selten zu hörender Instrumente mit dem seidigen Alt von Hilde Fuhs machte das Konzert zu einem Hörgenuss erster Klasse. Das Publikum schloss genussvoll die Augen, klatschte und wippte munter mit und erlebte Urlaub vor der eigenen Haustüre.

Im ausverkauften Bahnhof schickte Heike Kolling-Krumm, Geschäftsführerin des Kulturforums Köllertal, sogar etliche Folk-Anhänger zum Kulturverein nach Riegelsberg. Also „niggs wie hin“, um festzustellen: Menschen mit Platzangst wären an diesem Abend in Jochems Kneipe verloren gewesen. Seldom Sober, eine über die Landesgrenzen hinaus bekannte Formation, erwies sich als Publikumsmagnet. Beinahe unerschöpflich ihr Repertoire: von irischen Ohrwürmern über bretonische Tänze („wetten, dass wir schneller spielen, als Ihr klatschen könnt!“) bis zu rockig angehauchten Folk-Arrangements. Eva Edlinger singt – sehr klar, sehr weich, sehr weiblich. Regina Steffen spielt Mandoline und übernimmt hier und da die zweite Stimme. Die dritte, männliche Gesangstimme – leicht rauchig getönt – gehört Wolfgang Schumann, der außerdem Banjo, Mandoline oder Gitarre zupft. Roland Schmitt (Gitarre) ist für die Akkordbegleitung zuständig, Sven Biehl steuert vielseitige Perkussion bei. Rudi Schömann spielt Holz-Querflöte, Tin Whistle und sogar eine Small-Pipe, einen kleineren Dudelsack – sie klingt wie die Trompeten von Jericho. „Der Rudi darf zuhause nur in der schalldichten Sauna üben“, verrieten die Musiker – da war er in Jochems Kneipe genau richtig: Die Zuhörer im dicht besetzten Gastzimmer kochten vor lauter kräftezehrendem Mitklatschen und -singen quasi in ihrem eigenen Saft.