Irischer Abend mit ganz viel Sehnsucht

 

erschienen in: Saarbrücker Zeitung (Lokales) vom 15. März 2004, Verfasser: Beatrix Hoffmann

 

Inoffizielle Eröffnung einer neuen Kulturstätte: Seldom Sober im Alten Bahnhof in Püttlingen

Von BEATRIX HOFFMANN

Sieben Musiker sorgten für einen passenden Auftakt in der frisch restaurierten Stückguthalle im Alten Bahnhof in Püttlingen. Nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu warm, nicht zu kalt, nicht zu dunkel, nicht zu hell.

Püttlingen . Schöner sitzen im alten Bahnhof. Die frisch restaurierte Stückguthalle ist wirklich ein Genuss. Offenes Dachgestühl, Sprossenfenster, Fachwerk und roter Backstein umgeben das Publikum. Das sitzt nicht brav in den Branchen üblichen Zuschauerreihen, sondern an langen Tischen wie bei einem Familienfest auf dem Lande. Und wie es sich für eine neue Kulturstätte gehört, kommt zuerst die Musik und dann erst der Minister. Das heißt, es gab bereits vor der offiziellen Einweihung am 27. März ein Folk-Fest mit Seldom Sober.

Konzert ist viel zu kurz gegriffen für das Ereignis. Gleich sieben Musiker halten Einzug. Sie schweben nicht irgendwo oben und abgehoben auf einer Bühne, sondern sie spielen auf gleicher Ebene mit den Gästen, und vor allem gestalten sie einen kompletten Abend. Einen stimmungsvollen irischen Abend mit Trinkliedern, Tänzen – und mit ganz viel Sehnsucht. Sehnsucht nach der alten Heimat, der verlorenen Liebe, der Unabhängigkeit oder üppigen Kartoffelernte. Freud und Leid findet Einlass in die Lieder. Skurril oder karg, trotzdem schön wie das Leben ist, sanft oder deftig – so sind diese Songs. Wie in Irland gehören Geschichten dazu. Sängerin Eva Edlinger erzählt von Dorschtran, der süchtig macht, von Damen, die Lords heiraten und in Türmen darben bis Mister Right kommt, von Osterrevolutionen, Wintergeistern und anderen Turbulenzen.

Zwischendurch schippert die muntere Truppe nach Schottland rüber. Rudi Schömann tauscht die Flöte gegen den Dudelsack und steuert zusammen mit Regina Steffen (Mandoline), Uli Leibrock (Geige), den Gitarristen Roland Schmitt und Wolfgang Schumann und Schlagzeuger Sven Biel in Richtung Highland.

Wie es sich für einen echten irischen Abend gehört, taucht auch ein Überraschungsgast im Pub auf. Tony Mac Loughlin, Bootsbauer, Gitarrist, Sänger und Französischlehrer ist gerade auf Durchreise. Er kommt direkt aus Dublin und sorgt für Stimmung. So war der Einstand eine rundum gelungene Geschichte. Nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu warm, nicht zu kalt, nicht zu dunkel, nicht zu hell, nicht zu groß und nicht zu klein. Halt genau richtig.

Die Strippenzieher von Kunst, Küche, Heike Kolling-Krumm und Co hatten allen Grund zum Strahlen.

Weil es so schön war, gibt es am Freitag, 2. April, 20 Uhr, eine Wiederholung des Konzertes mit Seldom Sober.