Irische Lieder vom Trinken und Tanzen

 

erschienen in: Saarbrücker Zeitung (Lokales) vom 10. Februar 2007, Verfasser: SZ-Mitarbeiter Erich Schwarz

 

SZ-Kritik

Seldom Sober gastierte mit Liedern von der grünen Insel im Schlösschenkeller

Mit irischer Folklore in klassischer Besetzung begeisterte die Gruppe Seldom Sober in Blieskastel. Schnell sprang der musikalische Funke im vollbestzten Schlösschenkeller auf das zufriedene Publikum über.

Von SZ-Mitarbeiter

Erich Schwarz

Blieskastel. Es war wieder eine dieser Überraschungen im Blieskasteler Schlösschenkeller: Die Gruppe Seldom Sober (auf deutsch: selten nüchtern) gastierte erstmals in Blieskastel, und der Keller war fast voll besetzt. Aber es gibt offensichtlich sehr viele Irland-Fans und wohl ebenso viele Liebhaber der Musik von der grünen Insel. Und die waren sicherlich beim Gastspiel von Seldom Sober auf ihre Kosten gekommen.

Irische Musik vom feinsten, die klassischen Folk-Titel, viele Sauf- und Tanzlieder, dazwischen aber immer wieder auch wunderschöne Balladen. Die Gruppe mit der klassischen Besetzung, Wolfgang Schumann so etwas wie der Frontmann der Band mit Gitarre und dem rauen, rauchigen Gesang, die Akkord-Begleitung oder den Bass zupfend Roland Schmitt, Sven Biehl mit der notwendigen, aber zurückhaltenden und nie aufdringlichen Percussion, Rudi Schömann mit dem wunderschönen Flötenspiel (ob Holzquerflöte oder Tin Whistle, glänzend aufgelegt und manchmal gar an Ian Anderson von Jethro Thull erinnernd), Regina Steffen mit wunderschönem Mandolinenspiel und der zweiten Frauenstimme, sowie Eva Edlinger, der Sängerin und Frontfrau der lustigen Truppe. Seldom Sober war nie aufdringlich, was den Publikumskontakt angeht.

Da gab es keine aufgesetzte Heiterkeit und man fühlte sich auch nicht zum Mitklatschen genötigt. Der Funke sprang – zwar nicht ganz am Anfang – aber doch allmählich über, die Gäste gingen begeistert mit, es wurde mitgeklatscht und am Ende auch kräftig applaudiert. Wunderschön, wenn Eva Edlinger die melancholischen Balladen von der Insel interpretierte, hervorragend gesanglich unterstützt von Wolfgang Schumann und Regina Steffen. Schön anzuhören auch die Fischerlieder, die Wolfgang Schumann von seinen unzähligen Reisen zur Insel mitgebracht hat. Da ging es auch manchmal rau und hart zu, aber immer musikalisch sauber. Gleichwohl war die Abmischung des Sounds nicht immer optimal, da stand oft die Lautstärke der Instrumente nicht im besten Verhältnis zum Gesang. Aber das war eine Nebensächlichkeit, wichtig war die Atmosphäre des Abends, und die war wirklich ausgezeichnet.

„Das Kulturamt der Stadt Blieskastel ist an uns herangetreten, einmal hier zu spielen“ erzählte Eva Edlinger im Gespräch mit unserer Zeitung. Und die Atmosphäre kenne sie auch schon von den vielen Konzerten ihres Mannes (Rainer Rodin) im Blieskasteler Gymnasiumskeller. Die Band sei gut beschäftigt, es sei ja ein Nebenjob, und man habe viel zu tun. Die Band spielt meist im saarländischen oder pfälzischen Raum und ist seit etwa zehn Jahren unterwegs. Macht es denn immer Spaß, nur eine Musikrichtung zu interpretieren? Erstens seien alle Bandmitglieder sozusagen Fans der Insel und der Musik, zudem sei die irische Musik so vielseitig dass man immer wieder Neues entdecken könne.

Die Gäste im Schlösschenkeller applaudierten kräftig. Einzig ein Manko wurde leise beklagt: Es gab kein Guinnes-Bier. Aber das war dann auch der einzige „Stilbruch“ dieses gelungenen irischen Abends.