Ein Stückchen Irland in der Alten Kirche

 

erschienen in: Saarbrücker Zeitung (Lokales) vom 03. August 2004, Verfasser: FBLINN

 

Seldom Sober gastierte in Wiesbach – Irish Folk vom Feinsten

Irish Folk vom Feinsten. So lässt sich das Konzert, das die siebenköpfige Gruppe Seldom Sober kürzlich in der Alten Kirche in Wiesbach ablieferte, in einem Satz noch am Besten zusammenfassen.

Wiesbach . Als Veranstaltungsort hatte man sich die Alte Kirche ausgesucht, ein unter Denkmalschutz stehendes Bauwerk, das mit seinem einzigartigen Charme aus offenem Dachgestühl, kahlen Wänden und den erhaltenen Kirchenfenstern geradezu ideal für den Auftritt der sieben saarländischen Musiker sein sollte.

Und der hatte es in sich. Über zwei Stunden verbrachten Eva Edlinger, Regina Steffen, Ulrich Leibrock, Wolfgang Schumann, Roland Schmitt, Sven Biehl und Rudi Schömann mit ihrem Publikum und gestalteten einen schönen Abend. Vor allem einen stimmungsvollen, mit irisch-keltischer Musik in überwiegend klassischem Arrangement.

Heftig, rau und frisch

Das Repertoire der Ende 1997 gegründeten Band reichte dabei von traditionellen irischen Klängen bis hin zu zeitgenössischem Folk. Zu Gehör gebracht wurden Trinklieder, Tänze und Folk-Songs, die von der Sehnsucht Ausgewanderter nach ihrer Heimat erzählten, von dem Streben der Iren nach Unabhängigkeit oder einfach von der verlorenen Liebe. Lieder und Melodien eben, so heftig und rau und gleichzeitig doch so frisch wie die Grüne Insel selbst.

Wie in Irland gehörten Geschichten dazu. Sängerin Eva Edlinger erzählte von einem Schuhmacher, der gerne redet aber wenig arbeitet, Sänger Wolfgang Schumann wusste von der Armut Irlands zu berichten, von der Besetzung durch die Engländer, die vielen Aufstände und Hungersnöte und Flötist Rudi Schömann gab ein paar Anekdoten vom letzten Irland-Urlaub zum Besten. Einschließlich des Tipps, Flugangst mit mehreren Gläsern Irish Whiskey zu bekämpfen. Irgendwie passend zum Namen der Band, der übersetzt so viel wie „Selten nüchtern“ bedeutet.

Zwischendurch schipperte die Band musikalisch immer wieder nach Schottland rüber. Zu Besuch in den Highlands. Langsame, melancholische Stücke wechselten dann mit schnellen Liedern ab, die die gute Stimmung in der Alten Kirche von den Musikern schnell aufs Publikum überspringen ließ. Gesangsparts von Eva Edlinger, die mit ihrer klaren und sehr weiblichen Stimme für die nötige Weichheit sorgte, und von Wolfgang Schumann, mit seiner leicht rauchigen Männerstimme, wurden dabei ebenso beklatscht wie die wunderschönen Melodien, bei denen alleine die Instrumente im Vordergrund standen.

Mit einem herrlichen Geigenspiel von Ulrich Leibrock, unterstützt durch Schömanns Querflötenklänge und die sanften Schläge von Sven Biehl auf seine Samba-Trommel.

Und als irgendwann Rudi Schömann die Flöte gegen die berühmte Small-Pipe (Dudelsack) tauscht, die Band „Whiskey in the jar“ anstimmt, da fühlte man sich so richtig versetzt auf die Grüne Insel nach Irland, in ein belebtes Pub irgendwo südlich von Dublin. Und das für immerhin rund zwei Stunden. mgs